Warum Selbstakzeptanz nicht genug ist
Ein Vorschlag für eine freundlichere Beziehung zu dir selbst
Stell’ dir vor, du hast zu einem Sommerfest in deinem Garten eingeladen.
Die ersten Gäste sind schon eingetroffen, Kinder spielen zwischen den aufgestellten Tischen und Bänken fangen, weitere Freunde und Verwandte trudeln mit Salaten und Desserts in den Händen ein. Du freust dich über jedes vertraute Gesicht, dass du erblickst, gehst mit offenen Armen auf jeden zu und freust dich auf die gemeinsame Zeit.
Als sich wenig später der Garten gefüllt hat, gibt der Mann am Grill dir durch ein Nicken zu verstehen, dass es losgehen kann.
Du nimmst ein leeres Glas und eine Gabel zur Hand, um ein paar Worte zu sprechen. Das Lachen und Plaudern wird leiser und immer mehr Köpfe drehen sich erwartungsfroh in deine Richtung.
Du sagst:
“Schön, dass ihr alle hier seid.
Ich freue mich wahnsinnig auf den Abend mit euch.
Ich akzeptiere euch, wie ihr seid!”
Das sagst du natürlich nicht.
Ein oft gehörter Satz
“Akzeptiere dich einfach, wie du bist!”
Das lesen wir in den Zeitschriften, die in Wartezimmern ausliegen und Büchern, die unseren Selbstwert stärken wollen. Vielleicht haben wir den Satz auch schon von wohlmeinenden Freunden oder Verwandten gehört.
Tut schon irgendwie gut zu hören. Leuchtet uns auch irgendwie ein. Wir sollten uns selbst so akzeptieren, wie wir sind.
Aber geht das weit genug?
Wann wir akzeptieren
Akzeptanz bedeutet, jemanden oder etwas anzunehmen – trotz Vorbehalten, trotz Unvollkommenheit, trotz der Dinge, die wir uns anders wünschen würden.
Bei der Entscheidung für ein neues Auto akzeptieren wir, dass das favorisierte Modell nicht in der gewünschten Farbe erhältlich ist.
Beim neuen Job akzeptieren wir das niedrigere Gehalt, weil er näher an unserem Wohnort liegt und uns neue Perspektiven bietet.
Bei einem langjährigen Freund akzeptieren wir notorisches Zuspätkommen und einen schrägen Humor, weil die Wellenlänge stimmt und das Vertrauen über Jahre gewachsen ist.
Trotzdem dafür.
Akzeptanz setzt eine Entscheidung dafür voraus.
Warum Selbstakzeptanz sich seltsam anfühlt
Was die Beziehung zu uns selbst einzigartig macht, ist: Sie ist die einzige Beziehung, für die wir keine Entscheidung treffen müssen.
Wir können das Auto stehen lassen.
Wir können den Job wechseln.
Wir können eine Freundschaft beenden.
Wir können sogar den Wohnort wechseln und auf einem anderen Kontinent neu anfangen.
Aber uns selbst können wir weder zurückgeben noch kündigen. Die Entscheidung ist schon gefallen.
Kein “trotzdem Dafür”, sondern nur ein Dafür.
Ein anderer Vorschlag
Ich möchte heute deshalb etwas anderes vorschlagen.
Ich möchte vorschlagen, dass du so auf dich blickst, wie auf einen gern gesehenen Gast. Wenn du mit dem Weinglas und der Gabel in der Hand da stehst und all die wunderbaren Menschen um dich siehst, spielen ihre komischen Vorlieben, scheinbaren Schwächen und nicht erreichten Ziele keine Rolle.
Und deshalb leihen wir uns heute für unsere Haltung uns selbst gegenüber ein Wort aus der Sprache der Gastfreundschaft:
Willkommen heißen.
Willkommen mit allem, was heute da ist.
Willkommen heißen bedeutet, jemanden oder etwas mit offenen Armen zu empfangen – ohne Prüfung, ohne Vorbehalt, ohne Wertung.
Wenn du dich selbst jetzt in diesem Moment willkommen heißt, was passiert dann mit dir?


